Berichte über uns und unsere Tiere


Ach was, satt ist wenn man platzt!

von Monika Lenz – 14.06.2009

Techritz. Katharina ist ein Wanderfalke. Mit dieser Rasse geht Werner Winde, Chef des Ostsächsischen Falknerbundes, am liebsten auf die Beiz. „Die fliegen gut, sind schnell, das macht Spaß“, sagt der Falkner. Obwohl er ja eigentlich mehr der Habicht-Typ sei. Irgendwie liegt ihm diese Greifvogelsorte, wie er selbst sagt, mehr. Auswahl hat er genug. Insgesamt zehn Greifvögel leben derzeit bei ihm: Habichte, Saker- und Lannerfalken. Jeder Vogel hat seinen eigenen Bereich. Mit einer Leine um die Füße sitzen sie auf Stangen oder Baumstämmen. Ein Dach aus Weinlaub schützt vor der Sonne, ein großer Wassernapf steht vor jedem Verschlag.

Tag und Nacht sind sie hier draußen, im Winter wie im Sommer. Satt, dank ungefähr neun Küken, die sie am Tag verschlingen. Und zufrieden, weil sie nicht selbst Beute erjagen müssen. „Ich versuche, es ihnen so schön wie möglich zu machen“, sagt Falkner Werner Winde. „Auch wenn an Gefangenschaft nie etwas Positives ist.“ Alle Greifvögel stammen aus der Zucht. Keiner von ihnen ist aus der Wildnis entnommen. Die Falknerei ist vor allem Traditionspflege. „Heute jagen wir keine Hasen oder Rebhühner mehr“, erzählt Werner Winde. Davon gebe es nur noch wenige.

Von Anfang an geprägt

Stattdessen gehen die Falkner auf Krähen oder Elstern. Deren Fleisch verfüttere man dann wieder an die Greifvögel. „Ganz verhindern kann man allerdings nicht, dass sie auch andere Beutetiere als die gewünschten schlagen“, sagt Werner Winde. Zwar werden die Vögel von Anfang an auf eine bestimmte Beute geprägt. Sie erhalten nur deren Fleisch, bekommen tote Beutetiere vor den Schnabel gehalten und werden auf entsprechende Attrappen losgelassen. Letztlich sei aber alles interessant, was ins Beuteschema passe. Bei Habichten sei das so ziemlich alles was sich bewegt.

Momentan überlegen die Falkner im Kreis wie sie die Vögel auf Kormorane einstellen können. Denn die werden für Fischer zunehmend zur Plage. Immer mehr von ihnen fragten an, ob es da Möglichkeiten gebe. „Allerdings braucht man dazu einen Vogel, der auch was aushält. Kormorane sind wehrhafte Tiere“, erzählt Werner Winde. Eine Lösung hat er noch nicht. Die Vögel unterscheiden sich nicht nur in der Größe voneinander, sie haben unterschiedliche Arten zu jagen. So schlagen Falken ihre Beute in der Luft, durchtrennen nach einer Erstattacke den Halswirbel und schlagen ihre Fänge in die Beute. Habichte dagegen brauchen den Boden als Widerstand um ihre Beute zu schlagen. Sie warten gewöhnlich auf dem Arm des Falkners, bis der Jagdhund Beute aufgestöbert hat. Erst dann fliegen sie los und ergreifen schnell wie der Blitz ihre Opfer.

Kunst des Beizens

Die eigentliche Kunst des Beizens beginnt danach: Der Falkner muss dem Vogel die Beute wegnehmen, ohne dass dieser es so empfindet. „Ich gehe vorsichtig mit dem Handschuh darüber und biete dem Tier einen Leckerbissen an, zum Beispiel ein Küken“, erklärt Werner Winde. Dann verstehe der Greifvogel das wie eine Belohnung. Seinen Vögeln muss Werner Winde das Jagen erst beibringen. „Normalerweise lernen sie das von den Alttieren“, erklärt er. Würde er das nicht tun, würden die Tiere Beute grundsätzlich ignorieren. „Ich könnte eine Eule in den Wald setzen und die würde vier Tage später immer noch so da sitzen, wenn sie nicht vor Hunger schon umgefallen ist“, erzählt er.

 

Wer heute Falkner werden will, muss 120 Stunden Unterricht hinter sich bringen und anschließend eine Prüfung ablegen. Zuvor braucht er noch den kleinen Jagdschein. Mit 16 Jahren kann man bereits Jungfalkner werden. Gerade eben hat Werner Winde wieder einige Prüflinge in Techritz gehabt. Einer kam sogar aus München. Regelmäßig hält er gemeinsam mit seiner Frau Vorträge zur Falknerei vor Kindern. Das macht ihm Spaß. Außerdem hofft er auf interessierten Nachwuchs. „Es ist wichtig, dass die Falknerei weiter betrieben wird“, sagt er. Ganz billig ist das allerdings nicht. Um die 1.000 Euro kostet ein Tier.

Weise und neugierig

Werner Windes Lieblingsvögel sind Eulen. Mit ihnen geht er nicht auf Jagd. Seine Lieblingseule heißt Emma und ist eigentlich ein Emmerich. Der Terzel, wie die männlichen Vögel heißen, war das schwächste Tier im Gelege. „Normalerweise wird so einer gefressen“, erzählt Werner Winde. Emma bekam stattdessen das Fleisch vom Falkner persönlich. Heute ist er zwei Jahre alt. Wenn er bei Werner Winde ist, schnäbelt er mit dessen Finger, putzt ihm den Bart und kuschelt sich an ihn.

Werner Winde bestaunt Emma immer aufs Neue. „Eulen sind weise und neugierig, sie ordnen sich nicht unter“, schwärmt er. Und dann holt er ein kleines Eulenküken aus der Stube. „Eine zweite Emma“, sagt er und lacht. Auch dieses Tier war dem Tod geweiht. Es hat eine verkrüppelte Kralle, wird nie greifen können. Werner Winde stopft kleingeschnittenes Rinderherz in den kleinen Schnabel. Das zerzauste Küken schluckt und schluckt bis es so satt ist, dass es beim Fressen beinah einschläft. „Satt?“ Werner Winde schaut es skeptisch an, dann streichelt er es sanft: „Ach was, satt. Satt ist wenn man platzt.“

 

Falken und Eulen sind Sandras Ding

von Monika Lenz – 26.05.2010

Crostau. Kira ist ein Sakerfalke. Und Sandra ist die jüngste Falknerin in Sachsen. 16 Jahre ist sie und hat gerade das Falknerdiplom erhalten.

Von Januar bis März war sie dafür jedes Wochenende in Crostau, hat Samstag und Sonntag gelernt, wie man Greifvögel zur Beiz abrichtet, sie pflegt, hat ihren kleinen Jagdschein gemacht, bei dem sie ohne Waffe auskommt, den sie aber für die Falknerei braucht, hat Theorie gebüffelt und Praxis geübt.

Ihre Freunde haben sie unterstützt, ihre Eltern ihr den Rücken frei gehalten und Sandra selbst hat nichts vermisst. In die Disko würde sie sowieso nie gehen. „Nee, das ist nicht mein Ding“, sagt sie und schüttelt sich.

Ihr Ding sind Greifvögel. Seit sie vor zwei Jahren auf einer Messe in Dresden auf den Techritzer Werner Winde und seine Greifvögel gestoßen ist, haben die Tiere sie nicht mehr los gelassen. Seither ging die Bautzenerin zweimal die Woche die Vögel bei Falkner Werner Winde füttern, kümmerte sich um die Tiere. „An ihnen ist einfach alles faszinierend, ihre Art, ihr Gefieder, alles“, sagt Sandra und ihre Augen leuchten.

Am liebsten mag sie Eulen. „Die sind so flauschig.“ Und „weil das auch mein Sternzeichen ist“, sagt Sandra und meint damit die indianische Einteilung. Turmfalken mag sie auch. Im letzten Jahr hat sie einen kranken Turmfalken gepflegt. Den hatte sie auch schon an die Hand gewöhnt. „Die kommen nicht zu jedem“, sagt sie. Doch offenbar saß die Schwäche tiefer als gedacht. Der Falke starb im Winter. Über Nacht. „Das ist, wie wenn ein geliebtes Haustier stirbt“, meint Sandra Schmidt.

Mit Sakerfalken hat sie es nicht mehr so. Schuld ist „Zicke“ Kira. Der Sakerfalke war im vorigen Herbst plötzlich mitsamt Fessel auf und davon geflogen. Der Karabiner hatte sich gelöst. Tagelang fehlte von ihr jede Spur. Bis ein Anruf kam. Aus Prag. Bis dorthin war Kira gekommen.

Und offenbar hatte der Falke unterwegs keine Beute geschlagen, er war sehr geschwächt. „Das war das erste Mal“, sagt Sandra, die einen solchen Schrecken bekommen hatte, dass sie eigentlich mit Kira nichts mehr zu tun haben wollte.

Aber sie musste. Denn: „So etwas passiert, da muss man einfach weitermachen“, sagt Falkner Werner Winde.

Beim zweiten Mal flog Kira sogar mit der langen Fessel davon. Allerdings verfing sie sich in einem Baum. Nur einen Tag später konnte Werner Winde sie wieder einsammeln.
Eine Frau hatte angerufen und gemeint, hier sei ein Vogel an einem Baum festgebunden. Beim Spectaculum in Zittau hatte Sandra dann wieder Kira auf dem Arm. „War ein komisches Gefühl“, sagt sie. „Der Schreck sitzt schon tief.“

Überhaupt ist Kira schon etwas eigenwillig. „Neulich habe ich ihr ein Küken hingehalten, da hat sie demonstrativ den Kopf zur Seite gedreht“, erzählt Sandra Schmidt. „Und dann hat sie getschilpt und getschilpt als würde sie mit mir diskutieren.“

Einen eigenen Greifvogel wird Sandra sich vorerst nicht halten. „Ich weiß noch nicht, was ich später machen werde. Und ich möchte nicht den Vogel gleich wieder abgeben müssen, weil ich mich nicht um ihn kümmern kann“, sagt sie.

Dabei hält sie Kira die Hand hin. Die lässt sich nehmen, ruhig sitzt sie auf dem Handschuh. So, als könne sie kein Wässerchen trüben. Sandra schaut sie an, grinst und meint liebevoll: „Olle Zicke.“

 

Rettungsaktion aus Kindergartenzaun

von Monika Lenz – 29.05.2009

Bautzen. Angsterfüllt schauen seine braunen Augen, er schreit jämmerlich. Um Hilfe, aus Angst, vor Schmerzen: Der Rehbock, der im Zaun der Kita Clara-Zetkin in Bautzen feststeckt, ist etwa ein Jahr alt. Stadtjäger Werner Winde hat das mit fachmännischem Blick abgeschätzt. Gerade hat er den Anruf der Bautzener Feuerwehr bekommen, jetzt versucht er, das Tier freizubekommen. Keine leichte Aufgabe.

Der Rehbock steckt im Zaun fest. Stadtjäger Werner Winde überlegt, wie er ihn befreien kann. In den seltensten Fällen gelingt eine solche Rettungsaktion.

Das Gehörn des Bockes ist scharf, in seiner Panik stößt er nach Werner Winde. Der nimmt ihn fest am Geweih, redet beruhigend auf ihn ein. „Ganz ruhig, wir machen das schon“, sagt er. Das wirkt nur kurzzeitig. Das Tier spürt, dass es um sein Leben geht. „Bekommen wir ihn nicht heraus, müssen wir ihn erschießen“, erklärt Werner Winde. Denn die Stäbe durchzusägen komme nicht in Frage. „Der Stress für das Tier ist dann einfach zu groß, es stirbt dann vor Angst. Eine einzige Quälerei wäre das.“ Werner Winde steht vor dem Tier, hinter dem Rehbock steht sein Helfer. Beide versuchen es zuerst mit Schieben. Doch die Hüfte des Rehbocks passt nicht durch die Stäbe. Nach einigem Hin und Her drücken sie von vorn. Gegen den Widerstand des Tieres. Einer zieht, der Andere schiebt, der Rehbock schreit.

Die Kinder der Kita bekommen nichts davon mit. Die Erzieherinnen haben sie in den hinteren Garten gelotst um ihnen ein eventuell blutiges Drama zu ersparen. Denn dass die Rettungsaktion gelingt, ist eher selten. Werner Winde muss etwa fünfmal im Jahr zu solchen Einsätzen im Bautzener Stadtgebiet. „Meistens geht es nicht gut aus“, sagt er. Und wenn er schießen müsse, kippe die Stimmung schnell gegen ihn. „Dann heißt es ‚Mörder‘ und Schlimmeres.“ Ute Winde, selbst Jägerin, zieht den Hut vor ihrem Mann. „Das ist hart. Ich könnte das nicht. Man muss dem Tier ja in die Augen sehen. Das ist etwas anderes, als auf der Jagd auf Entfernung zu schießen.“

In den Zaun kommen die Rehe immer rein, nur nicht durch - sie bleiben stecken.

Das Problem in Bautzen sind die Zäune. Die Lücken zwischen den Stäben seien in vielen Fällen zu groß. „Rein kommen die Rehe immer, nur nicht durch. Und zurück geht nicht mehr“, erzählt Werner Winde. Er weise zwar immer wieder daraufhin, aber nur in seltenen Fällen werde der Zaun gegen ungefährlichere Varianten ausgewechselt. „Eine Geldfrage“, meint Winde. Bei der Kita „Clara Zetkin“ stört ihn das Tor noch viel mehr als der Zaun. Das Ziergitter ist schräg. Wenn sich hier ein Tier verfängt, hat es keine guten Rettungschancen. Dass in der gesamten Stadt Füchse, Schweine und Rehe leben, merke man häufig erst durch solche Rettungsaktionen. Oder durch die Wildunfälle, bei denen mehr Wild sterbe als durch Jägerhand. „Ansonsten spürt man von den Tieren eigentlich nichts“, sagt Winde.

Werner Winde will es nun noch einmal versuchen. Wieder schiebt er von vorn, sein Helfer zieht von hinten. Der Rehbock schreit wieder jämmerlich, sein Atem geht flach, er ist in totaler Panik. Winde ignoriert die Schmerzen durch das Geweih, schiebt weiter, lässt nicht nach. Und schafft es. Mit einem Rutsch ist das Tier aus seiner Klemme befreit. Jetzt muss der Kopf vorsichtig nachgeschoben werden. Auch das gelingt. Anschließend heben die beiden Befreier das Tier über den Zaun. Auf der anderen Seite wankt es etwas, bleibt stehen, schaut sich um. Sekundenlang rührt es sich nicht. Dann rennt es davon, noch orientierungslos, voll Adrenalin gepumpt. „Hoffentlich rennt es nicht auf die Straße“, zeigt sich Werner Winde besorgt. Kurz darauf kommt eine Schulklasse lachend um die Kurve gewandert. Nun ist Werner Winde doppelt froh, dass er nicht schießen musste: „Das wäre ein schlimmes Drama geworden.“

Schleiereule Emmi ist wieder da

Beim "Tag der Sachsen" in Kamenz 2011 waren dem Falkner Werner Winde über Nacht die Vögel abgebunden worden. Alle befanden sich noch im Zelt, nur von Emmi, der kleinen Schleiereule fehlte jede Spur. Sie war aus dem kleinen Fenster in der Zeltwand geflogen... MIT der Schnur am Fuß- ein sicheres Todesurteil! Auch über die SZ war die Suche nach dem Tier angelaufen, und siehe: mit Erfolg! Sigrun Kluttig, Physiotherapeutin auf der Königsbrücker Straße, hatte Emmi im Bereich der Lindenterasse entdeckt. Sie rief daraufhin Herrn Peter Nitsch an, einen  Falkner aus Kamenz. Sie blieb bei dem Tier, bis Herr Nitsch eintraf und die Schleiereule zu sich locken konnte. Emmi hatte Glück gehabt: trotz der etwa einen Meter langen Schnur hatte sie sich nirgendwo verfangen. Nun erholt sie sich bei Peter Nitsch von ihrem zweitägigen Ausflug, bevor sie wieder nach Hause, zu Werner Winde gebracht wird.

Peter Nitsch bedankt sich bei Sigrun Kluttig und allen, die nach dem Tier Ausschau gehalten haben- das Leben der kleinen Eule wurde so gerettet!

Auge in Auge mit dem Falken

Ute und Werner Winde aus Techritz bei Bautzen teilen ihr Leben mit Greifvögeln.

Die Falknerei, sagen sie, hat sie Respekt und Geduld gelehrt- auch im Umgang mit Menschen.

 

Otto traut sich nicht. Scheu und misstrauisch beäugt der junge Wanderfalke den ledernen Handschuh.

Ute Winde lächelt. "Man muss Geduld haben", sagt sie leise.

Sie flüstert fast und vermeidet jede schnelle Bewegung, die den kleinen Falken erschrecken könnte. Otto soll mal ein mutiger Jäger werden, aber das braucht noch viel Zeit. "Na komm, Otto. Brauchst keine Angst zu haben", lockt sie freundlich. Otto äugt weiter. Ute setzt ihren Jägerhut ab, vielleicht ist er es ja, der den Falken heute stört.

Seit Tagen schon übt sie mit ihm. Die 58-Jährige hat einen Falknerschein und viel Erfahrung. Ich halbes Leben teilt sie mit Greifvögeln. Die andere Hälfte widmet sie ihrem Mann Werner Winder, der schuld an der Vogelliebe ist.

Er beobachtet vom Fenster aus das Geschehen und schmunzelt anerkennend in seinen Bart. Sie macht das gut, seine Frau. Der Chef des ostsächsischen Falknerbundes hatte schon als Kind statt Hamster oder Katze lieber einen Habicht. Ute musste mit ihm auch die Greifvögel heiraten. "Am Anfang wollte ich mit den Tieren eigentlich nichts zu tun haben", erzählt sie. "Aber es hat mich dann doch fasziniert, wie mein Mann das macht. Welche Ruhe er den Tieren gegenüber ausstrahlt und mit wieviel Geduld und Sanftmut er das Vertrauen der scheuen Vögel gewinnt." Für Werner ist das nichts Besonderes. "Man braucht den Respekt vor dem Tier", sagt er und fügt dann schmunzelnd hinzu, dass ihm das auch im Umgang mit den Menschen ganz gut helfe.

Nicht nur in dem kleinen Ort in dem sie mit ihrer Greifvogelschar leben, schätzt man das Wissen und Können der beiden Falkner. Der Tierpark Bischofswerda bittet um Aufnahme einer Schneeeule, Landwirte oder Spaziergänger bringen verletze Tiere. 20 Greifvögel füttern die Windes auf ihrem Hof gerade durch. Einige Pfleglinge bekommen hier ihr Gnadenbrot, weil sie in freier Natur nicht mehr überleben würden. Ein verletzer Turmfalke ist fast genesen. Nach dem Winter will Werner ihn wieder auswildern. Er weiß, wie schwer das ist und versucht so wenig Kontakt wie möglich zu dem Tier aufzubauen. Es ist ihm schon mehrmals passiert, dass die Tiere einfach immer wieder zu ihm zurückkehren. Dabei freut er sich über jeden seiner "Zöglinge auf Zeit", die gesund davon fliegen und das jagen nicht verlernt haben. Manchmal sieht er heute noch einen der hellen Bussarde über Techritz kreisen, die er vor fast zehn Jahren auf ihren Weg ins eigene Leben geschickt hat.

 

Ute hat ein totes Eintagsküken aus der Tasche geholt, das wird Otto doch nicht verschähen?

Der Falke hüpft auf seiner Stange hin und her- immernoch unentschlossen ob er dem Handschuh trauen kann.

"Man muss eine innere Verbindung zu den Vögeln aufbauen. Und darf vorallem ihr Vertrauen niemals enttäuschen", sagt Ute- und wartet weiter.

Die Arbeit mit den Greifvögeln ist eine zeitaufwendige Beschäftigung. Alleine das Füttern dauert etwa zwei Stunden am Tag. Etwa 90 Küken, die der Tierparkversorger gefroren liefert, verfüttert sie täglich.

Dazu gibts ab und zu Unfallwild, das vorbeigebracht wird, oder Kaninchen- damit sich der Schnabel natürlich  abnutzt.

Neben dem täglichen Training sind die Windes auch oft an Schulen oder auf Dorffesten zu Veranstaltungen eingeladen. "Wir machen keine Flugshows, wir erklären die Tiere und ihre lebensweise."

Die zahmen Eulen lassen sich teilweise sogar streicheln. "Das sind oft ganz berührende Momente, die wir da erleben", sagt Ute. In diesem Moment hebt Otto ab. Jetzt endlich siegt der Appetit auf das Küken über das Ungewisse. Mit ein paar wenigen Flügelschlägen landet der Wanderfalke auf dem Handschuh. Ute lächelt, sie wird es morgen wieder versuchen. Und übermorgen. Und in einem halben Jahr vielleicht, wird Otto ein Jagdfalke sein.

 

 

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